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In meiner Arbeit interessiert mich das Ausloten von Ironie in der Kunst, das Hin- und Her-Kippen zwischen Ernsthaftigkeit und Humor, das Aufspüren und Wenden von Bedeutsamem in populär-ästhetischen Phänomenen und im Kitsch. 

Der ästhetische Blick eröffnet ein Spiel: Welche Figuren und Zeichen begegnen uns im gesellschaftlichen und sozial-medialen Raum, die bei näherer Betrachtung zu Kippfiguren werden können? 

Den Begriff der Kippfigur verwende ich weniger im Sinn einer optischen Täuschung, sondern als Beschreibung von Bedeutungs- und Zuschreibungswechseln, die vor und zurück kippen können. 

Die Zeichen und Gestalten, die zu Kippfiguren werden, lassen sich - geleitet von einer indifferenten Aufmerksamkeit - im politischen, im religiösen, im kulturellen, im pädagogischen oder im unterhaltungsmedialen Bereich finden. 

real_unreal. 2018

LED-Zeichnungen

Das Zeichnen mit LED-Lichtschnüren nutzt deren populär-ästhetischen Qualität und folgt der Strategie Erfahrungs- und Imaginationsraum zu verschränken. 

 

1. Gedankengang: Raum

Der Raum ist eine fundamentale Kategorie der Wirklichkeit. In ihm und durch ihn nehmen wir Welt wahr. Der Raum ist gegeben. Zugleich erschaffen wir ihn durch unsere Wahrnehmung und Erfahrung. 

Schlicht formuliert: Wir sind im Raum und der Raum ist in uns. Weitergedacht bedeutet dies, dass wir auch all das sind, was sich im Raum an Anmutungen, an Gestaltungen, an Phänomenen, an Wahrnehmbaren und Erfahrbaren befindet. Somit wäre unser persönlicher Denk- und Seinsraum zugleich ein kollektiver Wahrnehmungs- und Erfahrungsraum.

 

2. Gedankengang: Licht

Was definiert Raum?

Die Fülle oder die Grenze? Ist das Dazwischen das Bedeutungsgebende oder die Rahmung?

Ins Bildnerische übersetzt: die Fläche oder die Linie? Was lässt uns einen Bildraum und ein Bild im Raum wahrnehmen? 

Wie können sich Fläche und Linie in den Raum ausdehnen? Was erschließt sich dem mittastenden, mithörenden und mitriechenden Blick und eröffnet Assoziations- und Imaginationsräume? 

Eine Antwort lautet: das Licht. Es kann zugleich Fläche und Linie definieren.

Das Licht ist der Träger des Blickes und der Anfang des Sehens. 

Für den Sehenden kann das Licht den Raum füllen und zugleich Kontur und Ausdehnung sein. 

Bildträger der Serie real.unreal. ist eine einfache, kaum behandelte Holzplatte, auf der Lichtschnüre in einer einzigen Linie zeichenhafte Figuren bilden. 

 

Von Ana Dimke zu:

 

Skulptur No. 02 vom 30.06.2002 / Caroline Schilling

De-Konstrukt (Fotos der Arbeit auf Anfrage)

 

Mit einer dekonstruktiven Geste gestaltet Caroline Schilling aus dem vorgefundenen Bau ihr skulpturales Statement. Sie arbeitet mit einem gedanklichen Konstrukt und einem bildnerischen Entwurf übers Internet. Nach einigen Anweisungen für die künstlerischen Mitarbeiter lässt die Künstlerin der Sache ihren Lauf. Dem Geschehenen stellt sie sich dann als Vernissage-Besucherin. 

Indem sie sich der alten Struktur bedient, bringt sie die AusgangsSkulptur zum Einsturz und konstruiert aus den "zu rettenden" Elementen eine andere. Vieles wird weggelassen - als tragende konstruktive Elemente verbleiben: die DesignerStuhlNachbauten, einige Holzlatten und zwei segelartige, hochaufragende Tapetenwände. Die fragil wirkende Konstruktion ist mit weissen Platten in Schichten überdeckt. Eine destabile Lage, denn die übereinandergeschobenenStyroporSchollen scheinen sowohl in die Hoehe zu streben als auch in den Raum zurueckzurutschen.

Media-Romantik

Zitiert wird mit dieser Gestaltung leicht erkennbar das "Eismeer" von Caspar David Friedrich (1823/24). Der Rückgriff auf "Die Gescheiterte Hoffnung" der Romantik, für die Friedrich als der Mann, "der die Tragödie der Landschaft entdeckt" in die Kunstgeschichte eingeht, spielt mit Deutungsmustern der Darstellung von Erhabenheit: Krise der Natur, menschliche Ohnmacht, politische Resignation. 

Bereits die kanadische Künstlergruppe General Idea verwendet das Eismeer als metaphorische Ebene ihrer Installation "Fin de siécle" (1990), um die romantische Vorstellung von der Autonomie der Kunst anzugreifen. Gezeigt werden drei weisse Kuscheltier-Seehundbabys in einem Meer von mannsgrossen Styropor-Eisschollen. Durch die Verkopplung des Gezeigten mit dem Epochenbegriff im Titel setzt General Idea zu einen gedanklichen Sprung an: zur Phase der Überspitzung der Romantik, zum Hedeonismus. Die hedonistische Auffassung, dass Kunst nur der verstehen könne, der Künstler sei, führt dazu, dass die Kunst am Ende des 19. Jahrhunderts selbst zum Gegenstand der Kunst wird. Die intellektuelle Anschauung und die Entwicklung von Konzeptionen wenden sich in der Theorie des l´art pour l´art gegen die gesellschaftliche Anbindung der Kunst und machen sie zu einem eigenständigen Bereich. 

Caroline Schilling nimmt diesen kunstgeschichtlichen Hintergrund auf, um "Kunst über Kunst" wie die medialen Grundfarben Rot, Grün, Blau zum dominierenden Weiss zu addieren.

Mehr-Eis

Der aufschwimmende Tisch kann ohne historischen Bezug davon treiben, doch die festgesetzten Stühle von Bauhaus und De Stijl werden von weissen Schichten überlagert - ästhetisch in der kunstbegrifflichen Endloskette festgefroren: l´art pour l´art pour l´art pour l´art pour .... 

Jenseits des Treibguts im KunstEis, können jetzt zur Sommerszeit auch andere Assoziationen zu Eisbergen freigesetzt werden: Erfrischung? Titanic? Oder: Wie wäre es mit einem Glas von dem immer beliebter werdenden Wasser, das von abtauenden Gletschern, deren Bruchstücke im Meer herumtreiben, gewonnen wird? Ohne Mineralien und Spurenelemente. Künstliche Reinheit auch hier: fast 100%